Gefahren im Straßenverkehr
Gefahren im Straßenverkehr

Sicherung von Holzbalken

Auf dem Weg zu einem meiner Lieblingsplätze für die Aufnahme stets schöner Bilder habe ich bei der Vorbeifahrt an diesem Tieflader das gesehen.

Auf den ersten Blick schaut alles wieder einmal gut aus. Das Holz ist mit einem Gurt geseichert. Doch halt, wie war das auf dem Lehrgang für Ladungssicherung? Güter müssen mindestens mit zwei Gurten gesichert sein?

Also Moped kehrt und hinter dem Tieflader eingeparkt.

Bei näherer Betrachtung kommt nicht nur der Zurrfehler zu Tage. Das kleine Kantholz links unten wird durch keine Faser des darüber liegenden Balkens berührt. Es liegt also nur so auf der Ladefläche und hofft, dass es seine Reibungskräfte bis nach Hause in dieser Position halten. Diese Hoffnung kann ich nicht teilen. Und so begebe ich mich auf der rechten Seite zum Führerhaus, weil ich meinte, den Fahrer dort gesehen zu haben.

 

Hier ist Gefahr für den nachfolgenden Verkehr im Verzuge, höchste Gefahr!!

Auf dem Weg dorthin stelle ich im Vorbeigehen fest, dass der Haken viel zu klein ist für den Durchmesser (1) der Zurrpunktöse. Der Winkel des Gurtes ist dermaßen flach, dass der Gurt gegen die scharfe Kante (2) der Vertiefung gepresst wird. Für die Lebensdauer desselben eher abträglich.

Die Schlaufe des Sicherungsdrahtes (1) ist um die Achse der Kurbel gelegt. Während des Transportes soll sie aber verhindern, dass die Kurbel sich dreht und der Stempel ausfährt und muss deshalb an der Kurbel bei (2) plaziert werden.

Damit die Hydraulikschläuche nicht durchhängen und die Anschlüsse zu sehr auf Biegung belasten, wurden sie mit einem Gummi hoch gespannt. Auch nicht so gut, denn Gummi dehnt sich unter Belastung und altert durch die Witterungseinflüsse, wird spröde und reisst.

Die abstehenden Fasern des Gummizuges deuten darauf hin, dass er schon länger in Gebrauch ist. Er steht auch kräftig unter Zug, festgestellt durch die Klangprobe. Aber wie lange noch. Meist zieht er sich mit dem Knoten durch die Öse am Haken und haut sich dem um die Ohren, der gerade in der Schussbahn steht. Kann unangenehm werden, sehr unangenehm.

Und nun die Ladefläche: Die nicht benötigten Ratschen hängen ungesichert, nur mit der Hakenspitze auf der Bordwand (1), der Hammer (2) wurde in die Schlaufe des Hebegurtes gesteckt; die Haken der Hubketten sind ohne Sicherungslasche (3), loses Holz (4, 5) liegt auf der Ladefläche. Und alles soll die Schwerkraft auf ihren Plätzen halten. Dagegen spricht aber bereits die allseits mitgeführte Massenträgheit, die in jeder Kurve und in jedem Schlagloch wirkt. Es reichen kleine Erschütterungen und die Hölzer wandern nach hinten, vor allem bergauf, und die Spitzen der Ratschen verlassen den sicheren Platz an der Bordwand.

Die Leiter, die mitgeführt wird, damit man besser auf die Ladefläche steigen kann, liegt ungesichert zwischen Führerhaus und Pritsche. Die Rutschsicherung wurde durch das ständige Abstellen und Reiben über festen Untergrund an den Aufstellflächen abgenutzt. Die dabei entstandenen Kanten wurden mit Textilband entschärft, zumindest wurde es versucht. Hält aber nicht lange, wie man sieht. Diese Kanten sind messerscharf.

Doch halt, was sehe ich auf der linken Seite. Der Gummifetischist hat wieder zugeschlagen und seine Leiter an den einsamen Straps gelegt. Ist aber als Antiklappersicherung nicht geeignet, da der Gummi aufgrund der bereits bekannten Massenträgheit stets mitarbeitet.

Genau in diesem Moment öffnet sich die Fahrertür und eine freundliche Stimme ruft: "Passt wos net?"

Ah, da ist er ja, der Fahrer, hat bisher gute Nerven gezeigt. "Ja, einiges! Komm mal runter, ich zeigs Dir!" Nach der höflichen Aufforderung klettert er zu mir herunter. Wir gehen als erstes nach hinten zum Holzstapel. Ich deute nur drauf. "Ja, ich weiß schon, da müssten zwei Gurte hin, aber die kleinen Dinger werden doch durch einen auch gehalten. Die wiegn doch nix." Aha, Wissen ist vorhanden, die Faulheit war aber wieder größer. "Nein, das ist nicht das Problem." erwidere ich und gebe dem kleinen Kantholz einen kurzen Schubs. Es rutscht ungebremst nach vorne. Erschrecken zeichnet sich im Gesicht meines Gegenübers ab. "Au, Scheiße, das hab ich gar nicht mitgekriegt, als ich auf der anderen Seite die Hölzer festgezurrt habe. Ich hab nämlich da hinten vor zehn Minuten eine Maschine abgeladen und mache hier nur schnell Pause, wegen der Lenkzeiten!" Dabei deutet er in Richtung Friedhof. Ohne weiteren Kommentar löst er die Verzurrung, packt den Gurt und die Hölzer und schmeißt alles der Reihe nach auf die Ladefläche des Lkws. Als er damit fertig ist, gehen wir die restlichen Beanstandungen durch. "Gell, Du suchst Fehler, warst Fahrlehrer oder sowas?" Bereitwillig gebe ich über meine Motivation Auskunft und er scheint beeindruckt. Was vor Ort abgestellt werden kann, wird gemacht. Der Rest wird mit dem Chef zu Hause durchgesprochen und eine Lösung angestrebt. Nachdem er sich nochmals glaubhaft bedankt hatte, setzt er seine Pause fort. Vielleicht sieht man sich ja ein zweites Mal. Würde mich freuen, denn ansonsten war er ja ein lustiger und aufgeschlossener Zeitgenosse. Aber halt die Routine, diese Betriebsblindheit. Mal schauen, vielleicht hat mein ständiger Kampf dagegen mal Früchte getragen. Vor allem hat mein schnelles Auge heute dafür gesorgt, dass eine erhebliche Gefahr vermieden werden konnte und der kleine Balken nicht vor einem Vorderrad zum Liegen kommt.