Gefahren im Straßenverkehr
Gefahren im Straßenverkehr

Fahrzeuge auf der Ladefläche

Lieber Leser!

Hier entstand eine neue Seite über den Transport, besser gesagt, den Versuch der Sicherung eines Baggers und eines Transporters. Der Anhänger stand vor dem Westfriedhof in München.

 

Aber sehen Sie selbst!

Vom Mopedsitz aus bot sich meinen Augen dieses Bild: Ein Kipper und ein Bagger hintereinander geklemmt und mit Gurten niedergehalten. Es war kein einziger Haken zu sehen. Am Verlauf der Gurte erkennt der Fachmann, dass die beiden Geräte von keinem der vier Gurte in Fahrtrichtung gehalten werden. Sie können sich also beim Bremsen oder Fahren in Steigungen nach vorne und hinten bewegen. Alle Winkel lagen unter 30 Grad zur Bewegungsrichtung. Da lohnt sich doch direkt das Anhalten.

Also Moped abstellen und Fahrzeuge gucken. Erste Gedanken beim Näherkommen: "Ohgottohgottohgott!

Der hintere Gurt ist ja total verdrückt."

Mein Fernblick hat mich nicht getäuscht. Die vorgefundene Realität war noch ernüchternter als befürchtet. Der Gurt war wieder einmal von links nach rechts durchgeschleift. Normalerweise wird das Fahrzeug mit je einem Gurt nach jeder Seite, vorne und hinten abgespannt. Die vorliegende Art nimmt man eigentlich nur bei Ladungsstücken ohne Räder oder Ketten, weil die sich nicht bewegen können. Außerdem hat der Gurt erhebliche Verschleißmerkmale und ist deshalb ablegereif.

Auf der gegenüber liegenden Seite war genau das Gleiche: Ein zusammengeknüllter Gurt. Das Problem dabei ist die Kraftverteilung im Gurt. Es werden nicht alle Fasern gleichmäßig auf Zug beansprucht, wie bei einem eben verlegten Gurt. Wird er nun an seiner Auslegungsgrenze beansprucht, reißen die überbeanspruchten Fasern und die Last ist frei. Sie kann sich nun den Kräften hingeben, die an ihr zerren.

Mit dem zweiten sieht man besser, dass der Verleger der Gurte kaum wusste, was er tat. Auch hier wird die meiste Kraft nach unten eingeleitet, aber nur minimal nach vorne. Eine seitlich Festlegung des Gerätes erfolgt nur über die Reibungskräfte zwischen Kette und Boden. In Längsrichtung werden die beiden Geräte lediglich durch die vordere Bordwand und den hydrostatischen Antrieb gehalten.

Von der Seite betrachtet wird der Zustand noch offensichtlicher. An den Pfeilen sind noch weitere negative Einflüsse auf den Gurt und die Ladung zu erkennen.

Wie hier aus der Nähe zu erkennen ist, wird der Gurt über scharfe Kanten geführt und unter das Fahrpedal gekemmt. Außerdem wird er über eine Schraube gezogen und umgeknickt und in die Ecke gedrückt. Sollte das Fahrpedal nicht mehr funtionieren, ist hier der Fehler zu suchen.

Der dritte Gurt erfüllt nach Meinung des Verlegers gleich zwei Aufgaben: Rückhaltekräft für den Muldenkipper und die Ladung auf der Ladung, die Schaufeln. Durch die Festlegung der Baggerschaufeln auf dem Kipper wird auch ein Ausgleich der Relativbewegunng zwischen den beiden Geräten verhindert. Die sichtbaren Folgen werden weiter unten näher beschrieben.

Kommen wir aber erst einmal zum vierten Gurt in der Runde. Er führt vom Gerät in die vordere rechte Aufnahme im Pritschenboden. Man kann sehr schön den Knoten erkennen, mit dem der Gurt die Kraft weiter geben soll. Ein alter Merksatz der Verzurrtechnik lautet: Knoten sind verboten!!

Der angeschlossene Gurt führt über die Öse auf die andere Seite.

Man kann die Lage nicht so gut erkennen, da der Gurt teilweise durch Blätter getarnt wird. Aber man kann gut erkennen, dass er mindestens einmal in sich verdreht ist.

Nach Beseitigung der Tarnung ist die Umlenkung wieder gut zu erkennen. Von hier aus wird der Gurt wieder über den Fahrerstand zurück auf die andere Seite zur Ratsche geführt und der Kraftkreis geschlossen. Unterwegs ist kein einziger Haken verbaut. Somit kann auch keine hemmende Wirkung gegen Durchziehen des Gurtes durch die Schlaufen erreicht werden. Die Übertragung seitlicher Kräfte auf den Anhänger ist dadurch unmöglich.

Durch den nahezu senkrechten Winkel ist auch eine Haltekraft bei Beschleunigung in Fahrtrichtung ausgeschlossen. Der Zustand des Gurtes zeigt, dass die Verlegung schon häufiger so durchgeführt wurde, da die Verschleißspuren erheblich ausgebildet sind.

Manche werden jetzt natürlich sagen, was will denn der überhaupt, das Gerät ist doch vorne direkt an die Bordwand angelehnt und kann sich doch garnicht mehr bewegen. Das mag durchaus zutreffen. Aber fragen Sie einmal die Bordwand, was die dazu meint. Ich kann es Ihnen sagen. Sie soll die Kräfte des Schüttgutes aufnehmen und wären der Fahrt auf dem Anhänger halten. Von einer punktuellen Aufnahme der etwa 3,5 Tonnen schweren Last, vorne mittig, steht nichts im Vertrag mit dem Hersteller.

Ganz nah betrachtet schaut es nämlich so aus: Eine Überdeckung von nicht einmal drei Zentimeter am oberen Ende der Bordwand soll die Kraft von ca. 2,8 Tonnen bei einer Vollbremsung aufnehmen. Die Spuren an den Borwand zeigen, dass sie sich schon oft Mühe gegeben hat. Auf die Dauer nimmt es die Bordwand, deren Verschlüsse und Scharniere übel.

Das Übersichtsbild und hier die Nahaufnahme zeigen, dass die beiden Gerät direkt miteinander gekoppelt sind, und zwar über den Hubzylinder des Baggers. Das ist das System des Verladers, wie die Spuren dort eindeutig zeigen.

Und hier sehen sie die Auswirkungen: Die Kolbenstange ist verbogen, nicht viel, vielleicht 4 Zentimeter. Aber das reicht aus, dass die Hubkraft zu einem gewissen Teil seitlich auf den Zylinder wirkt und über die obere Verschlussplatte auf die Dichtungen dort übertragen wird. Undichtigkeiten und ein evtl. Bruch der Stange sind die Folgen. Deshalb sollte die Stange bei nächster Gelegenheit ausgetauscht werden. Bei der Durchführung der nächsten Untersuchung nach den UVV ist dies dann sowieso zu beanstanden und als Sperrgrund in den Papieren zu vermerken, falls es der Prüfer sieht.

Und noch ein letztes Wort zum Fahrer, der den Anhänger hier geparkt hat. Er hat die beiden Reifen so gegen den Bordstein gepresst, dass sie sich in der Flanke bereits dessen Form anpassen. Reifen sind zwar geduldig, man sollte sie aber nicht gewaltsam überstrapazieren oder den Fahrer wechseln, dann halten sie länger.

Um es auf einen Nenner zu bringen:

Die Anbringung der Zurrgurte entsprach keiner Vorschrift, die ich kenne (verdreht, ohne Schutz über scharfe Kanten geführt, mittels Knoten wurde der Gurt geschlossen, weil beide Haken fehlen).

Die vier Zurrgurte waren sämtlich ablegereif (Verschleiß, Etikett fehlt oder unleserlich). Ich bezweifle, dass diese Last eine verkehrsübliche plötzliche Ausweichbewegung, wie sie im Gesetz gefordert wird, überstehen würde. Mich würde interessieren, wie viele Prüfungen nach UVV diese Gurte schon überstanden haben und noch überstehen, bis sie endlich abgelegt werden.

Die Gurte drücken die Last zwar auf die Ladefläche, hintern sie aber nicht am Wandern in Fahrtrichtung, da auch keine Keile unter den Ketten liegen.

Die Kolbenstange des Baggers ist sichtbar verbogen. Die UVV-Prüfung müsste für einen Austausch derselben sorgen, da die krumme Stange für Undichtigkeiten oder sogar zur Zerstörung des Zylinders sorgen wird.

 

Vielleicht sollte der Verantwortliche mal zu einschlägigen Lehrgängen gesandt werden, damit er weiß, was zu tun ist und seine Chefin um neue Gurte bitten kann.