Gefahren im Straßenverkehr
Gefahren im Straßenverkehr

Verladung der Utesilien

Wieder einmal, vermutlich mit Absicht, wurde das unten beschriebene Fahrzeug einer Friedhofsgärtnerfirma an meinen Fahrweg gestellt, damit mir der Stoff nicht ausgeht.

 

Stellen Sie sich vor, Sie fahren von hinten kommend auf diesen Anhänger zu. Erstmal denken Sie an nichts Böses. Ein Anhänger mit Wassertank, vermutlich zum Bearbeiten und Herrichten von Rabatten oder Gräbern, da er in unmittelbarer Nähe des Waldfriedhofes stand. Das musste ich mir natürlich ansehen. Bei einem Rundgang kommt dann aber die ganze Dramatik zu Tage.

Dieser einseitig, direkt an der Vorderwand stehende Tank mit einem Fassungsvermögen von ca. 1000 Litern hat meine Aufmerksamkeit beim Näherkommen erregt. Von dieser Tonne Wasser  bei vollem Tank gehen etwa ein Drittel auf die Anhängekupplung. Die darf eine Stützlast von 100 kg aufnehmen. Bei sonst leerem Anhänger bedeutet dies, mehr als 300 kg lasten auf der Kugel des Zugfahrzeuges. Für das Stützrad bedeutet dies sogar die Hälfte, da es noch näher am Anhängerschwerpunkt liegt, also 500 kg.

Wenn wir schon hier stehen, schauen wir uns die Deichsel doch gleich mal etwas genauer an. Für das geübte Auge des Betrachters fällt eine gewisse Asymmetrie der beiden Schenkel auf. Die Spuren an den Außenkanten zeigen, dass diese Verbiegung der beiden Träger nach innen garantiert länger als ein halbes Jahr her sein muss. Also hatte der Prüfer bei der letzten HU kein geübtes Auge, sonst wäre die Deichsel bereits repariert. Scheinbar ist der Fahrer ein ungeschickter Rüchwärtsfahrer.

Auf dem Kennzeichen ist die HU als in 5/16 dokumentiert. Die Aufnahme wurde im März 17 gemacht.

Wie aus anderen Berichten bereits als bekannt vorausgesetzt, soll ja das Abreissseil durch die vom Hersteller dafür vorgesehene Öse an der Deichsel geführt werden. Das ist hier schlecht möglich, da just in diesem Bereich eine Feder eingebaut wurde. Vermutlich soll sie das Seil bei einem Abriss vor zu scharfem Ruck und zu großer Belastung schützen. Welch ein Quatsch!!

Erstens passt die Feder nicht durch die Öse. Zweitens biegen sich die beiden gerollten Federenden bei der ruckartigen Belastung auf und entlassen die Seilösen aus ihrer Verantwortung und den angeschlossenen Bremshebel in der Stellng "ungebremst". Und genau so läuft der Anhänger dann weiter. Zudem kann angenommen werden, dass die Kunststoffummantelung in den Schellen reißt und die Klemmkraft dadurch nachlässt. Folge: Das Seil rutsch einfach durch die Schelle.

So, nun heben wir den Blick und zucken zusammen, weil wir befürchten, dass uns eines der Grabgeräte gleich aufs Dach fallen wird. Mit den Zinken auf der Tankhalterung und einem Gummizug unten sind die Gräte "sicher" verstaut. Es dürfen nur keine Unebenheiten im Verlauf der Straße auftreten, dann blieben sie auch dort, hoffentlich.

Wir treten nun seitlich an das Gefährt heran und können erkennen, dass der Tank auf einem Untergestell steht. Dieses wird durch einen relativ neuen Gurt auf die Ladefläche gepreßt. Der zweite, schon etwas ältere Gurt hält dann den Tank auf dem Tisch.

Der ablegereife Gurt wird dann oben über die Kunststoffabdeckung geführt, obwohl der Hersteller dieser Transporteinheit extra zwei Aussparungen für die Gurte eingeplant hat. Man darf davon ausgehen, dass genau dort auch die Versteifungen des Tankes verlaufen. Und vor allem wird bei korrekter Gurtführung der Käfig nicht eingedrückt und der Gurt dadurch gelockert.

Beim Nähertreten stellen wir den Ordnungssinn des Betreibers dieses Wasserspenders und die einfache, wie geniale Prüfmöglichkeit eines losen Gurtes fest. Er hat die Reinigungsbürste griffbereit angebracht und dadurch gleichzeitig das Flattern des Gurtes durch den Fahrtwind verhindert. Fehlt die Bürste am Ende einer Fahrt, weiß der Fahrer, dass er den Gurt nachspannen muss.

Damit der Tank auch ja nicht verrutscht, sind unter den Standfüßen rutschhemmende Matten angebracht, die einen guten Kontakt zu den morschen Tischplanken herstellen. Da während des Transportes kaum mit hohen Kräften auf den Tisch gerechnet wird, wurde auch der Winkel des roten Gurtes weit unter 30° gehalten. Ein weiterer Gurt konnte vernachlässigt werden, da der Tisch nahezu formschlüssig an der vorderen und linken Bordwand ansteht.

Verharren wir noch eine Weile beim Untergestell. Der professionell zusammengebruzzelte Rahmen aus Vierkantrohr sieht sehr vertrauenserweckend aus. Die seitliche Stabilität für eine Last von maximal 1,05 Tonnen wird immerhin durch  eine  einzige Querstrebe hinten links gewährleistet. Unten ist der Rahmen vollig offen. Bei einer scharfen Linkskurve besteht somit die Gefahr, dass die beiden rechten Standbeine wegknicken und Fußgänger nass gespritzt oder totgemacht werden könnten.

Die einzige Versteifung noch Mal etwas näher. Keine Verbindung im unteren Teil. Sowas kann man machen, wenn man zu Hause einen stationären Unterbau braucht, aber nicht für einen verkehrssicheren Transport als zurrbaren Untersatz.

Um neugierige Fußgänger auf Abstand zu halten, hat sich der Nutzer einen besonderen Geck vorbehalten, der bei Bedarf angewendet werden kann. Sehen Sie das schwarze, an der Bordwand geklemmte Stück schwarzen Schlauches? Es kann manuell ausgeklappt werden und steht dann etwa 70 cm über, also der Sicherheitsabstand zu Fußgängern und Radfahrern. Es klappt auch automatisch aus, wenn entsprechende Unebenheiten überfahren werden. Um die Wirkung zu erhöhen, kann dabei auch mit Wasser als Abschreckung gearbeitet werden.

Wie ich Sie kenne, wollen Sie sicherlich noch den Verlauf der Verzurrung des Tisches am Fahrzeug sehen. Hier bitte der Sattelgurt, der unter dem Bauch des Fahrzeuges durchgeführt wurde, leider etwas verdreht und über die Bordwände abgestützt.

 

Fazit:

Dass es so viel zu schreiben gibt, bei so einem kleinen Anhänger, hätten Sie am Anfang auch nicht gedacht, oder?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Fahrzeug zur Vorführung zur HU abgerüstet wurde. Also müsste der Prüfer das Drama auch gesehen haben. Die Plakette wurde aufgrund der Mängel an der Deichsel und am Abreissseil widerrechtlich vergeben, denn sie sind als erheblich einzustufen. Eigentlich müsste man bei diesem Tatbestand Halter und Prüfer anzeigen. Die Konstellation bedeutet eine Gefahr für den öStV. Bitte viel Abstand halten oder schnell überholen oder die BASt informieren.