Gefahren im Straßenverkehr
Gefahren im Straßenverkehr

Ritters erstes Abenteuer

Selbsterlebtes hat mich zu dieser traurig schönen Erzählung mit einem Hauch von Technik und gesetzlichem Hintergrund hinreißen lassen.  Sie soll verdeutlichen, was aus gesetzlichen Vorgaben entstehen kann, wenn sie beharrlich falsch interpretiert werden, nur um Geld zu sparen. Für Sie aber soll es auf etwa 239 Seiten die Zeit bis zur nächsten Langeweile überbrücken.

 

Eine kurze Übersicht, was drin passiert:

 

Auf der Autobahn fährt ein Linienbus auf einen Anhänger auf. Die Insassen, ein Fahrlehrer und seine vier Fahrschüler, haben ohne Sicherheitsgurt keine Chance. Der Fahrlehrer und zwei seiner Fahrschüler überleben den Unfall deshalb nicht. Bei den Ermittlungen durch die Polizei stellt sich heraus, dass der Bus so hätte nicht eingesetzt werden dürfen. Ein ehemaliger Sachverständiger und Führerscheinprüfer hatte dieses Szenario bereits zwei Jahre vorher den Zuständigen beim TÜV und den Ministerien angedeutet, dass so etwas passieren kann, wenn sie sich nicht an die geltenden Zulassungsvorschriften und das Arbeitschutzgesetz halten und entweder Sicherheitsgurte nachrüsten oder diese Busse als Ausbildungsfahrzeuge aus dem Verkehr ziehen. Die Ermittler decken unter Mithilfe des Prüfers etliche Intrigen auf, die quer durch die Zulassungsebenen und Aufsichtsbehörden gehen. Einfühlsame Liebe kommt natürlich auch nicht zu kurz.

 

Aber lesen Sie selbst! Das Buch kann über amazon für unter 10 € gekauft werden. Viel Spannung beim Lesen. (ehemaliger Titel: ...bis der TÜV uns scheidet)

 

Hier einige kleine Einblicke in das Werk:

 

„Pass auf, der bremst da vorne! Mensch, brems´ doch endlich!“ schrie der Fahrschüler Albert Schnell, der direkt hinter dem Fahrlehrer im Schulungsbus der Fahrschule der Verkehrsgesellschaft, kurz VG, saß und verzweifelt nach einem Halt suchte, um sich abzustützen. Der Fahrlehrer Jens Schimmel saß in seinem Sitz nach hinten gewandt, um die begonnene Geschichte zu Ende zu lesen. Jetzt aber fuhr er herum, erkannte die Situation und wollte auf das Bremspedal treten, um die Gefahrbremsung einzuleiten. Er kam aber nicht mehr dazu, da er durch die von Erwin Drill eingeleitete Abbremsung nach vorne gerissen wurde. Dabei flog ihm das Buch aus der Hand. Nun schlug er mit der Hüfte an die vordere Verkleidung und mit dem Kopf gegen die Scheibe. Er hatte auch keine Möglichkeit mehr, ins Lenkrad zu greifen, weil ihm die Massenträgheit einen Strich durch sein Vorhaben machte. Schimmels letzte Gedanken waren: „Scheiße! Wieso passt denn der Depp nicht auf? Warum hab ich keinen Gurt? Hätte ich doch auf den Einbau bestanden, so wie der Prüfer damals gefordert hatte. Jetzt ist mir klar, warum der sich geweigert hat, die Führerscheinprüfung ohne Gurt durchzuführen. Hoffentlich sehe ich meine Kleine nochmal. Und heute Abend wollte ich doch alles klären.“ Innerhalb der nächsten Zehntelsekunde krachte der umgebaute Linienbus der VG mit noch etwa 60 auf den vorausfahrenden Lkw-Anhänger, der fast zum Stehen gekommen war.

Und dann ging bei Schimmel das Licht für immer aus. Dabei wollte er eigentlich heute Abend zusammen mit seinen Fahrschülern und deren Anhang die bestandenen Prüfungen feiern. Der Grund für die Feier fiel leider aus, weil der Prüfer erkrankt war. Also machten sie einen normalen Ausbildungstag. Da aber schon alles vorbereitet war, wollten sie die Feier trotzdem durchziehen. Die Prüfungen hätten ja immer noch bestanden werden können. Auch für seine Frau Inge hatte er eine Überraschung, die sie aber nicht so erfreuen wird, vor allem nicht nach 20 Ehejahren.

...............

 

Zwei Jahre vorher, auf dem Hof der TÜV Niederlassung.

Der eingeteilte Prüfer war ein pensionierter amtlich anerkannter Sachverständiger der Bundeswehr, der als Aushilfe die Kollegen beim TÜV unterstützte, da diese überlastet waren und nicht mehr alle Prüfungen zeitnah durchführen konnten. Ihm eilte der Ruf voraus, streng aber gerecht zu sein und mit dem Herzen auf dem rechten Fleck.

„Na, da sind wir mal gespannt, in wie weit wir den Neuen noch erziehen müssen.“ bemerkte Schimmel grinsend zu seinen wartenden vier Transpiranten, wie er seine Prüflinge immer zu nennen pflegte. Die scharrten schon ungeduldig mit den Hufen und hatten Schiss vor den technischen Fragen, da der Prüfer als Technikfreak bekannt war. Nun war es soweit. Da kam ein fröhlich blickender Mensch mit einem breiten Grinsen und einem wuchtigen Schnauzer darüber auf die Gruppe zu. Das muss er sein, dachten sich alle fünf VGler, die vor dem Bus Aufstellung genommen hatten, Schimmel einen Schritt weiter vorne.

„Aha, Sie sind vermutlich der Fahrlehrer.“ sprach der Prüfer Schimmel an und reichte ihm die Hand, „Bitte keine Meldung! Meine Herren Transpiranten, stehen Sie bequem.“ Und mit einem Grinsen fuhr er fort: „Is´ ja fast wie früher. So nun aber Scherz beiseite. Ich darf mich kurz vorstellen. Mein Name ist Alfons Ritter und ich prüfe heute zum ersten Mal bei Ihrer Verkehrsgesellschaft. Das ist aber völlig egal, mich hat der TÜV mit Geld gezwungen, hier heute die Busprüfung mit Ihnen durchzuführen. Jemand nervös?“

„Vermutlich alle.“ entgegnete Schimmel und blickte grinsend auf seine Jungs. „Grüß Gott, Herr Ritter. Mein Name ist Schimmel, ich bin der Fahrlehrer und das sind meine Lehrlinge. Als Sie meine Jungs mit Transpiranten angeredet haben, habe ich gedacht, da kann nichts mehr schiefgehen, denn das ist auch mein Spruch. Hier sind die Personalausweise zur Identifizierung.“

Ritter dankte und ging den Rest des Weges auf die Jungs zu, begrüßte jeden mit Handschlag, kurzem Blick ins Gesicht und Kontrollblick auf den Ausweis. Mit einem „Alles klor.“ gab er die Plastikkarten wieder zurück und begann mit der Technik am Fahrzeug. Alle waren entsprechend gut ausgebildet und hatten, mit der einen oder anderen neckischen Hilfestellung des Prüfers diesen Teil bestanden.

„So, nun auf zum Fahren. Wer traut sich als erster?“ zaghaft hob einer der Aspiranten die rechte Hand bis auf Brusthöhe. „Ah, Sie, jawoll, Sie sind auch der erste auf meiner Liste. Also ans Steuer, ich mache es mir auf dem Prüfersitz bequem. Und meine Herren, vielleicht ein kleiner Tipp von einem alten Hasen, erschrecken Sie mich möglichst wenig, dann fällt die Ausgabe des Führerscheins leichter. Ok?“ Mit einem Lächeln bestieg er den Bus. Die Jungs und ihr Lehrer wollten gerade folgen, als der Prüfer schon wieder zurückkam.

„Sie, Herr Schimmel, das gefällt mir aber gar nicht.“ Das fröhliche Lächeln des Prüfers war aus dessen Gesicht verschwunden. „Sagen Sie mal, wo sind eigentlich die Gurte für Sie und uns?“ Er machte einen sehr nachdenklichen, ja schon fast strengen Eindruck.

„Aber Sie sehen doch, das ist ein Stadtlinienbus und der hat nach den Vorschriften der StVZO keine. Aber das ist alles mit Ihrer Firma abgeklärt.“ Schimmel holte den Fahrzeugschein aus der Mappe vor seinem Sitz. Ritter sah sich diese Zulassungsbescheinigung genau an und wurde noch ernster. . . .

 

Inge dachte gerade daran, wie sie und Jens sich zum ersten Mal näher kamen. Es war vor mehr als 22 Jahren. Sie waren im gleichen Verein und spielten Volleyball auf Kreisebene. Jenny ging damals fast zwei Jahre mit Jens. Er verlor sie aber an seinen besten Freund, der mit Inge liiert war. Nun waren beide wieder Single und hatten wenig Lust an einer neuen Beziehung. Das hatte sich Inge zumindest fest vorgenommen. Nach dem Training an einem Donnerstagabend, es war nach 22.00 Uhr, die anderen Mädels hatten bereits geduscht und waren schon weg, als sich Inge überlegte, ob sie nicht doch noch in die Sauna gehen sollte. Eventuell war der Verantwortliche für die heiße Hütte noch da, der sie nochmal einschalten konnte, falls sie doch schon abgeschaltet sein sollte. Der Trainer war heute wieder mal unerbittlich und durch die ständigen Sprungübungen brannten ihre Oberschenkel doch recht heftig. Sie schnappte sich also ihr Handtuch, wickelte es um ihren gut gebauten Körper und ging in ihren Badelatschen zur Sauna. Sie war gleich hinter den Duschen, zwischen Umkleide und Toiletten. Die Kontrollleuchten branden noch und innen sah man die schummrige Beleuchtung. Sie war also noch in Betrieb. Inge sah durch das quadratische Fensterchen hinein. Einer der Männerriege saß auch noch drin. Es war Jens. Sie kannten sich mittlerweile auch schon über ein Jahr und hatten sich ab und zu nach dem Training, kurz bevor sie ihre Autos bestiegen und heimfuhren, draußen vor der Halle unterhalten. Wären Inge und Jenny nicht so gute Freundinnen gewesen, wäre Jens vermutlich bei ihr nicht so vorsichtig bei der Annäherung gewesen. Sie hatte aber schon länger bemerkt, dass er beim Training häufig verstohlen zu ihr herübersah. Und wenn sie es bemerken wollte und sich ihre Blicke dann kurz trafen, quittierte er es mit einem Lächeln.

„Wieso bist denn du noch da? Bei Euch ist doch auch schon alles ruhig.“ wollte Inge wissen. „Darf ich mich dazu setzten und eine Runde mitschwitzen?“

„Aber gerne!“ kam es verdutzt von Jens, „Ich wollte eigentlich nur die Sauna ausschalten und dann offen stehen lassen, damit sie auskühlt. Was man halt so macht, wenn man für den Kram verantwortlich ist. Dann habe ich mir gedacht, warum soll die Sauna ungenutzt abkühlen. Ich könnte mich ja noch 15 Minuten reinsetzen, dann kühlt sie auch ab und wird noch genutzt. Und in einer Viertelstunde wird die Temperatur vielleicht auf 60 Grad gesunken sein. Das ist aber auch noch schön warm und man kann danach schneller abkühlen und nach Hause.“

.....

 

Als verfassungsmäßig eingerichtetes Organ obliegt der Bezirksregierung die Dienstaufsicht über die Prüforganisationen. Das setzt natürlich voraus, dass auf eingereichte Fragen und Anregungen mit einem gewissen Sachverstand geantwortet werden sollte. Dass dies nicht der Fall war, zeigte die Anfrage aus der Staatskanzlei. Der Regierungspräsident Anton Harsch scharte gerade seine Sachgebietsleiter um sich. An seiner Mimik erkannten die langjährigen Mitarbeiter, dass heute bei Wortmeldungen vorsichtig mit Argumenten jongliert werden sollte. Nur kein zusätzliches Öl auf die Lampe gießen, auch das Fass schien schon seltsam voll zu sein.

„Meine Herren, ich habe Sie heute aus den Bereichen Verkehrswesen und Prüforganisation hergebeten, weil ich eine sehr süffisante Anfrage vom Ministerpräsidenten im Rahmen der Dienstaufsicht auf den Tisch bekommen habe. Es geht um die Erstanfrage von vor zwei Jahren und die weiteren Nachfragen im Vier-Monatstakt. Ein gewisser ehemaliger Sachverständiger vom TÜV hat wissen wollen, ob er in Fahrzeugen ohne Sicherheitsgurte die Fahrerlaubnisprüfung durchführen muss. Aus seiner Sicht wäre das nicht statthaft, da er seiner Vorbildfunktion anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber nicht mehr nachkommen könne und überhaupt würden die umgebauten Stadtlinienbusse ohne gültige Betriebserlaubnis fahren. Unsere Antworten wurden jedes Mal mit der Niederlassungsleitung des TÜVs, einem gewissen aaS Grün abgestimmt, dem Sachbearbeiter für das Fahrzeugzulassungswesen. Die Anfragen Ritters, so hieß der Querulant beim TÜV, wurden somit von uns, als die Wissensträger, negativ beschieden. Jetzt halten Sie sich fest, dieser Mensch hat in allen Punkten von der Staatsanwaltschaft Recht bekommen. Unsere Annahmen waren sämtlich falsch und wurden durch drei Tote und zwei Schwerverletzte bei einem Unfall mit dem erwähnten Bus bestätigt. Kommen Sie mir jetzt nicht mit dem Gefasel, das steht so in der StVZO. Ich soll bis übermorgen eine plausible Erklärung beim Ministerpräsidenten vorlegen. Nach dem Studium der Unterlagen, die uns das Staatsministerium des Innern von der Staatsanwaltschaft hat zukommen lassen, muss ich sagen, an der Aussage Ritters ist nach meiner Meinung nicht zu deuteln. Sie ist korrekt. Warum merkt das hier keiner?“ Er schaute seinen Sachgebietsleiter 5 äußerst erwartungsvoll an.

Der war erst einmal noch guter Dinge, da er die Bearbeitung damals seinem Sachbearbeiter für die Technik übergeben hatte. „Ich glaube, wir hatten die erste Anfrage über Mail erhalten. Dort wurde einfach nachgefragt, ob der Bus seine Betriebserlaubnis verliere, wenn dort ein zusätzlicher Sitz im vorderen Eingangsbereich angebracht würde. Mein Techniker hat sich der Sache angenommen und hat im Katalog der Umrüstmaßnahmen nachgeschlagen. Er kam zum Urteil, ein nachträglich eingebauter Sitz habe keinen Einfluss auf die Betriebserlaubnis. Bei der nächsten Anfrage an unseren Hanserl wurde dann nach den Sicherheitsgurten gefragt. Er hatte sich mit dem TÜV abgestimmt. Also waren wir auf der sicheren Seite. Dass das jetzt so eine Wende nimmt, das konnte keiner ahnen.“

 

 

usw. usw.